Münsterländer Heidemoore

Münsterländer Heidemoore

Arme Menschen – reiche Natur

Auf Quarzsand - rein und weiß - gründet das Sand-Münsterland. Die winzigen Körnchen enthalten keine Nährstoffe; erhitzt man sie, so schmelzen sie zu Glas. Auf Sandschichten mit einer Mächtigkeit von vielen hundert Metern fasste die Natur dennoch Fuß. Eine Vegetation aus genügsamen Pflanzen formierte sich. Die Hinterlassenschaften der Pioniere waren die Basis, auf der Wälder aus Eichen und Birken gründeten. Die frühen Bauern des Sand-Münsterlandes nutzten das Holz ohne neue Bäume nachzupflanzen, woraufhin sich Besenheide ausbreitete. In der Niederung des Heubaches entwickelten sich auf dem Sand in Verbindung mit einem hohen Wasserstand ausgedehnte Moore. Ob feucht oder trocken, das Sand-Münsterland ist von Natur aus nährstoffarm. So waren auch seine Bauern arm, denn dem Sandboden war kaum etwas abzuringen.

Schäfer mit seiner Herde
Schäfer mit seiner Herde
Heidelandschaft in den Borkenbergen
Heidelandschaft in den Borkenbergen

Weiter nördlich wirtschafteten reiche Bauern im Kley-Münsterland auf fetten Lehmböden. Eine Hochzeit zwischen „Sand und Kley“ war tabu. Die Menschen in einer Dorfgemeinschaft machten das Beste aus dem Wenigen was es gab, in dem sie es gemeinsam bewirtschafteten. Das geschah in einer großen Allmende, einer genossenschaftlichen Weide aus Wald, Heide und Moor. Darin grasten ihre Schafe, wenige magere Rinder und eine große Herde aus wild lebenden Pferden. Der Merfelder Bruch und angrenzende Brücher umfassten mehrere Allmenden und waren einst riesengroß. Von Coesfeld-Tungerloh (im Nordwesten) bis Lüdinghausen-Leversum (im Südosten) und von Dülmen (im Norden) bis Haltern im Süden erstreckte sich ein großer Freiraum aus Heide, Wald und Moor. Die Dülmener Wildpferde streiften darin frei umher und sorgten ohne Zutun des Menschen für ihr Auskommen.

Auch die wilden Tiere und Pflanzen konkurrierten um die wenigen Nährstoffe. Eine Vegetation aus Spezialisten entwickelte sich in einer für heutige Verhältnisse unglaublichen Artenvielfalt. So arm die Menschen damals waren, so reich und unvergleichlich schön war die Natur.

Zu Kaisers Zeiten wurde die Allmende auf Antrag des Herzogs von Croÿ geteilt. Die Freiheit der Wildpferde endete. Ein kleiner Restbestand wurde in das heute als Merfelder Wildbahn bekannte Gehege überführt. Das Militär erwarb einen bedeutenden Teil der Naturlandschaft und konservierte ihn so bis auf den heutigen Tag in dem Truppenübungsplatz Haltern. Ringsumher griff die Erfindung des Kunstdüngers um sich. Eine Flut von künstlich erzeugten Nährstoffen spülte den Artenreichtum davon und hinterließ die monotone Maissteppe der modernen Hochproduktionslandwirtschaft.

Wiedehopf
Wiedehopf

Der BUND Landesverband NRW setzt sich für ein großes zusammenhängendes Wildnisgebiet „Münsterländer Heidemoore“ ein, in dem wieder frei lebende Pferde und andere Weidetiere umherstreifen. Damit soll das einzigartige Naturareal im Münsterland erhalten werden. Gleichzeitig sollen die Wildbahn Borkenberge und die Wildbahn Weißes Venn / Geisheide den Menschen die Möglichkeit zur Beobachtung der Wildpferde bieten.

Download: Projekt-Flyer